Rat der Stadt Essen, 8. Juli 2026, TOP 39
Kostenanpassung zum Ausbau des Stadions „An der Hafenstraße“
(Vorlage 1035 2026 6)
—
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Zuschauer,
liebe Rot-Weisse und solche, die es noch werden wollen,
ich würde mich freuen, wenn sich heute in dieser Debatte alle ehrlich machen würden.
Es gibt gute Gründe, für den Ausbau des Stadions zu sein. Und selbstverständlich gibt es auch Argumente, die man kritisch diskutieren kann.
Aber bitte erzählen Sie den Menschen in dieser Stadt nicht, Sie wollten den Ausbau lediglich um ein paar Jahre verschieben. Nichts anderes würde der Antrag von Volt/ Die Partei bedeuten.
Wer glaubt denn ernsthaft, dass wir vielleicht in zehn Jahren ein dann fast 25 Jahre altes Stadion noch einmal mit vier neuen Ecken versehen werden?
Vorsichtige Prognose: Und die Baukosten werden in den nächsten 10 Jahren auch nicht sinken?
Diese Taktik ist doch durchschaubar.
Man möchte sich die Sympathie der 330.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die Rot-Weiss Essen allein in der vergangenen Saison ins Stadion gelockt hat, erhalten – ohne heute Verantwortung übernehmen zu müssen.
Aber genau das funktioniert dieses Mal nicht.
Heute muss jede Fraktion Farbe bekennen. Endgültig.
Will ich den Ausbau des Stadions – oder will ich ihn nicht?
Für die Fraktionen von SPD und CDU ist die Antwort eindeutig:
Ja. Wir wollen ihn.
Wir haben uns frühzeitig zum Eckenausbau bekannt. Wir haben den Planungsbeschluss mitgetragen. Wir haben den Baubeschluss gefasst. Und wir stehen auch heute zu diesem Projekt.
Denn Politik muss verlässlich sein.
Nun wird über die Kosten gesprochen.
Ja, sie steigen.
Das gefällt niemandem.
Aber wenn man sich die Vorlage anschaut, erkennt man eben auch die Gründe: Preissteigerungen, höhere Materialkosten, Inflation, zusätzliche Anforderungen aus der fortgeschrittenen Planung und notwendige Ergänzungen, die in der ursprünglichen Kostenberechnung noch nicht enthalten waren.
Das ist keine angenehme Nachricht.
Aber es ist eine ehrliche Nachricht. Und es ist eine ehrliche Vorlage, denn sie listet alles auf und wir wissen, woran wir sind.
Und der Unterschied zwischen Opposition und Verantwortung besteht manchmal genau darin, dass man sich den Realitäten stellt.
Und noch etwas war uns dabei wichtig: Trotz der notwendigen Kostenanpassung halten wir ausdrücklich am Gebäude für die Fanarbeit fest. Das dafür vorgesehene Budget bleibt Bestandteil des Gesamtprojekts.
Das tun wir ganz bewusst. Denn die Fanarbeit der Arbeiterwohlfahrt Essen ist weit mehr als ein Begleitangebot rund um den Fußball. Sie leistet seit vielen Jahren hervorragende sozialpädagogische Arbeit, insbesondere mit jungen Menschen. Sie wirkt präventiv gegen Gewalt und Extremismus, fördert Toleranz und Respekt und ist für viele Fans eine verlässliche Anlaufstelle – auch weit über den Spieltag hinaus.
Wer in ein Stadion investiert, muss deshalb auch in die Menschen investieren, die dieses Stadion mit Leben füllen. Deshalb stehen wir ausdrücklich auch zum AWO-Fanprojekt.
Und hören Sie bitte auf, die Menschen gegeneinander auszuspielen und Ängste zu schüren. Es wird wegen des Stadionausbaus nicht weniger ins Schulen, Jugendhilfe, soziale Infrastruktur, Turnhallen, Straßen, Wege, Brücken undundund investiert.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Fußball ist in Essen weit mehr als nur Sport.
Für Hunderttausende Menschen ist Rot-Weiss Essen Identität.
Es sind Familien, die seit Generationen gemeinsam zur Hafenstraße gehen.
Es sind Kinder, die dort ihre ersten Stadionerlebnisse haben.
Es sind Ehrenamtliche.
Es sind Menschen, die Woche für Woche ihre Freizeit investieren.
Wir haben vorhin viel über Kultur gesprochen.
Für viele Menschen ist Rot-Weiss Essen Kultur.
Und Kultur bedeutet eben nicht nur das, was hinter roten Samtvorhängen stattfindet.
Kultur ist auch das, was Menschen zusammenbringt, Emotionen schafft und Identität stiftet.
Und wo wir gerade beim Thema Kultur sind, lohnt sich vielleicht auch einmal ein nüchterner Blick auf die Zahlen.
Wenn wir von rund 34 Millionen Euro Investitionskosten ausgehen und diese den über 330.000 Besucherinnen und Besuchern allein der vergangenen Saison gegenüberstellen, dann reden wir rechnerisch über ungefähr 103 Euro Zuschuss pro Eintrittskarte.
Wohlgemerkt:
Nicht jedes Jahr.
Nicht dauerhaft.
Nicht als laufende Subvention.
Sondern für eine Investition, die über Jahrzehnte genutzt wird und Generationen von Besucherinnen und Besuchern zugutekommt.
Ich finde, diese Zahl hilft manchmal dabei, die Diskussion einzuordnen.
Ich möchte noch einen weiteren Punkt ansprechen.
Vor gerade einmal einem Jahr haben wir mehrheitlich hier im Rat den Ausbau beschlossen.
Nach intensiver Beratung.
Nach Gutachten.
Nach Planung.
Nach Abwägung.
Wenn wir heute ohne neue grundsätzliche Erkenntnisse plötzlich wieder alles infrage stellen würden, wäre das kein Zeichen von Sparsamkeit.
Es wäre ein Zeichen mangelnder Verlässlichkeit.
Rot-Weiss Essen hat sich in den vergangenen Jahren sportlich gut entwickelt. Der Aufstieg war zum Greifen nahe. Wir haben doch alle mitgefiebert.
Das Stadion stößt aber regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei allen Häusern unserer Stadt.
Der Eckenausbau schafft zusätzliche Plätze, verbessert die Infrastruktur, erhöht die Aufenthaltsqualität und ermöglicht zugleich weitere Entwicklungsschritte des Standorts. Gleichzeitig werden die Voraussetzungen geschaffen, perspektivisch sogar eine spätere dritte Ausbaustufe vorzubereiten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir können heute darüber abstimmen, ob wir zu den Entscheidungen stehen, die wir selbst getroffen haben.
Oder wir können den einfacheren Weg gehen und uns wegducken.
Für SPD und CDU gilt:
Wir stehen zu unserem Wort.
Wir stehen zum Stadion.
Wir stehen zu Rot-Weiss Essen.
Und deshalb stimmen wir dieser Vorlage selbstverständlich zu.
Vielen Dank.
0 Kommentare