Liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder,
liebe Freundinnen und Freunde des BSV Gut Ziel,
liebe Gäste aus Werden, Heidhausen und darüber hinaus,
ich freue mich sehr, heute hier bei Euch sein zu dürfen. Und ich freue mich ganz besonders, in diesem außergewöhnlichen Jahr die Schirmherrschaft für dieses Schützenfest übernehmen zu dürfen. Und für mich ganz besonders: Es ist meine erste Schirmherrschaft. Danke Euch dafür.
Es ist ein herausragendes Schützenfest. Denn 100 Jahre Bürgerschützenverein „Gut Ziel“ Essen-Werden-Heidhausen – das ist wahrlich kein alltägliches Jubiläum. Das ist ein Jahrhundert Vereinsgeschichte. Ein Jahrhundert Gemeinschaft. Ein Jahrhundert gelebte Heimat.
Und wenn man auf 100 Jahre zurückblickt, dann denkt man natürlich zuerst an Traditionen, an Feste, an Königspaare, an Musik, an gemeinsame Feiern und viele schöne Erinnerungen. Aber hinter all dem stehen vor allem Menschen.
Menschen, die Verantwortung übernommen haben.
Menschen, die angepackt haben.
Menschen, die ihre Freizeit investiert haben, damit Gemeinschaft entstehen kann.
Denn ein Verein lebt nicht von seinem Namen oder seiner Satzung. Ein Verein lebt von den Menschen, die ihn tragen. Und deshalb gilt mein besonderer Dank heute allen, die sich über Generationen hinweg für „Gut Ziel“ engagiert haben und es bis heute tun.
Gerade das Ehrenamt verdient unseren größten Respekt. Vieles von dem, was unsere Stadtteile lebenswert macht, würde ohne Menschen, die sich freiwillig engagieren, gar nicht funktionieren. Vereine wie der Eure schaffen Begegnungen. Sie bringen Menschen zusammen. Sie sorgen dafür, dass man sich kennt, dass man miteinander spricht und dass aus Nachbarn manchmal Freunde werden.
Und ich glaube, genau das ist heute wichtiger denn je.
Wir leben in einer Zeit, in der vieles schneller geworden ist. Vieles wird unverbindlicher. Menschen ziehen sich häufiger ins Private zurück. Umso wertvoller sind Orte, an denen Gemeinschaft noch ganz selbstverständlich gelebt wird.
Und genau so ein Ort ist dieser Verein.
Natürlich wissen wir auch: Brauchtumsvereine stehen heute vor Herausforderungen. Nachwuchs zu gewinnen ist schwieriger geworden. Menschen dauerhaft für ein Ehrenamt zu begeistern ebenso. Traditionen zu bewahren und gleichzeitig offen für Neues zu bleiben – das ist nicht immer einfach.
Aber wenn man sieht, wie lebendig „Gut Ziel“ nach 100 Jahren noch immer ist, dann zeigt das: Dieser Verein hat nicht nur eine starke Geschichte, sondern auch eine starke Zukunft.
Und das erfüllt mich mit großer Freude. Wir müssen nur noch ein wenig am Vereinsnachwuchs arbeiten.
Und genau daran sieht man auch, dass Tradition und Moderne kein Widerspruch sein müssen.
Dass in diesem Jahr erstmals ausschließlich zwei Frauen am Königsschießen teilgenommen haben, ist dafür ein schönes und zugleich starkes Zeichen. Es zeigt, dass sich auch ein traditionsreicher Verein weiterentwickelt und offen bleibt für Veränderungen.
Brauchtum lebt nämlich nicht davon, dass alles immer bleibt wie früher. Brauchtum lebt davon, dass Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft gestalten – unabhängig davon, ob Männer oder Frauen.
Ich finde: Das ist kein Verlust von Tradition, sondern ein Zeichen dafür, dass dieser Verein lebendig ist und mit der Zeit geht.
Und genau darin liegt auch die Stärke von „Gut Ziel“: Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig offen für Neues zu sein.
Ein solches Jubiläum ist aber nicht nur Anlass zum Feiern. Es ist auch ein Moment des Erinnerns.
In diesem Jahr denken wir besonders an Euren langjährigen Schirmherrn Hanslothar Kranz – für viele von uns einfach Lothar. Über viele Jahrzehnte hinweg war er diesem Verein eng verbunden. Er war jemand, der sich mit ganzer Kraft für unsere Heimat eingesetzt hat, für Werden, für die Vereine und für die Menschen hier vor Ort. Heute sollte er eigentlich als Ehrenschirmherr hier neben mir stehen. Das war uns nicht mehr vergönnt.
Lothar war jemand, der wusste, wie wichtig Zusammenhalt ist. Einer, der nicht nur über Ehrenamt gesprochen hat, sondern es gelebt hat. Viele von uns verbinden mit ihm Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Erinnerungen.
Ich bin mir sicher: Er hätte heute mit großer Freude auf dieses Jubiläum geblickt.
Und vielleicht ist das Schönste, was man über einen Menschen sagen kann, dass etwas von ihm bleibt. Dass seine Haltung, sein Engagement und seine Verbundenheit weiterwirken.
Deshalb feiern wir dieses Jubiläum auch ein Stück weit in seinem Sinne.
Liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder,
100 Jahre „Gut Ziel“ zeigen eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen zusammenhalten und Verantwortung füreinander übernehmen. Darauf könnt Ihr stolz sein.
Lasst uns dieses Jubiläum deshalb nicht nur als Rückblick verstehen, sondern auch als Auftrag für die Zukunft: Bewahren wir das, was unsere Gemeinschaft ausmacht. Geben wir Traditionen weiter. Und sorgen wir gemeinsam dafür, dass Vereine wie dieser auch für kommende Generationen lebendig bleiben.
Ich wünsche Euch allen noch ein fröhliches, friedliches und unvergessliches Schützenfest, viele schöne Begegnungen, gute Gespräche und weiterhin stets ein herzliches:
„Gut Ziel!“
Vielen Dank!
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