{"id":527,"date":"2018-07-27T21:45:47","date_gmt":"2018-07-27T21:45:47","guid":{"rendered":"https:\/\/danielbehmenburg.wordpress.com\/?p=527"},"modified":"2020-06-22T15:00:04","modified_gmt":"2020-06-22T15:00:04","slug":"gedenkrede-von-daniel-behmenburg-zur-kranzniederlegung-auf-dem-bergfriedhof-am-27-juli-fischlaker-schuetzen-und-dorffest-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/daniel-behmenburg.de\/?p=527","title":{"rendered":"Gedenkrede von Daniel Behmenburg zur Kranzniederlegung auf dem Bergfriedhof am 27. Juli (Fischlaker Sch\u00fctzen- und Dorffest 2018)"},"content":{"rendered":"<p>&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br \/>\nliebe Freundinnen und Freunde,<br \/>\nliebe Sch\u00fctzenschwestern und Sch\u00fctzenbr\u00fcder,<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich geehrt, hier und heute die Gedenkrede halten zu d\u00fcrfen. Doch warum stehen wir \u00fcberhaupt hier? Warum gehen wir nicht einfach feiern? Das Festzelt ist aufgebaut, die Getr\u00e4nke sind gek\u00fchlt und die Musik steht bereit.<\/p>\n<p>Wir stehen hier, weil alles was wir tun, nicht allein dem Selbstzweck dient. Wir stehen hier, weil wir uns auch im ausgelassenen Festtrubel der Tradition verpflichtet f\u00fchlen. Und Tradition hei\u00dft auch, bed\u00e4chtig den Blick zur\u00fcck zu richten, um mit der Botschaft der Geschichte unseren Weg in die Zukunft zu bestreiten.<\/p>\n<p>Wir stehen hier heute zum Gedenken an diejenigen, die nicht mehr mit uns feiern k\u00f6nnen. Wir stehen hier heute, um Ihnen zuzuh\u00f6ren. Wir stehen hier, um die Erinnerung an sie lebendig zu halten.<\/p>\n<p>Doch was haben Sie uns zu sagen?<\/p>\n<p>Auf 39 Friedh\u00f6fen in Essen ruhen beinahe zehntausend Tote aus beiden Weltkriegen. Alle diese Namen verbindet die Tatsache, dass sie eines gewaltsamen Todes gestorben sind \u2013 sei es als Soldat, als Zivilist, als Verschleppter oder als politisch oder rassisch Verfolgter. Wir stehen hier heute, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Im Gr\u00e4bergesetz, welches die Erhaltung der Kriegsgr\u00e4ber regelt, hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eDieses Gesetz dient dazu, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in besonderer Weise zu gedenken und f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen die Erinnerung wach zu halten, welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben.\u201c<\/p>\n<p>Die zuk\u00fcnftigen Generationen, das sind WIR. Die wenigsten haben den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Zum Gl\u00fcck. Aber k\u00f6nnen wir die \u201eschrecklichen Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft\u201c \u00fcberhaupt noch einsch\u00e4tzen? Wenn ich mich in der Welt umschaue, bin ich mir nicht mehr sicher.<\/p>\n<p>Die Kriege und Konflikte andernorts wirken sich auch immer mehr auf Europa und auf Deutschland aus. Sp\u00e4testens mit den Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6men im Jahr 2015 hat diese weltpolitische Lage auch uns erreicht. Und sie hat uns ver\u00e4ndert. Viele sind verunsichert, Viele haben Angst, f\u00fcr Viele war dieses das Ventil um eine lange aufgestaute Unzufriedenheit zu artikulieren.<\/p>\n<p>Auch in Europa herrscht nicht mehr ausnahmslos Frieden, auch in der EU gibt es Spannungen. Die Eurokrise ist noch lange nicht ausgestanden. Mit den Briten hat ein wichtiger Partner und Freund die Europ\u00e4ische Union verlassen. Wir reden wieder vermehrt \u00fcber Grenzen, Mauern und Z\u00e4une. Und Europa wird nicht mehr von allen als Friedensunion wahrgenommen.<\/p>\n<p>Da ich auch als politischer Vertreter hier stehe, muss ich selbstkritisch eingestehen: Es fehlt einfach vielfach der Weitblick, es wird zu viel taktisch f\u00fcr den kurzfristigen Erfolg und zu wenig verantwortungsvoll in die Zukunft gedacht.<\/p>\n<p>Eng verkn\u00fcpft hiermit sind die \u201eWerte\u201c. Es stimmt, dass diese dem Zeitgeist unterliegen. Es gab f\u00fcr die Sch\u00f6pfer unseres Grundgesetzes vor dem Eindruck des Krieges jedoch Werte, die unverr\u00fcckbar waren: die W\u00fcrde des Menschen, das Recht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit, die Freiheit der Person, die Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit, die Religions- und die Meinungsfreiheit. Jede Generation muss diese Werte in ihre eigene Zeit \u00fcbersetzen und mit Leben f\u00fcllen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang f\u00e4llt mir das Zitat von Willy Brandt aus seinem Gru\u00dfwort an die Sozialistische Internationale ein:<\/p>\n<p>\u201eUnsere Zeit allerdings steckt, wie kaum eine andere zuvor, voller M\u00f6glichkeiten \u2013 zum Guten und zum B\u00f6sen. Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum \u2013 besinnt euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer H\u00f6he zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.\u201c<\/p>\n<p>Wir stehen hier heute in einer Welt, die ein wenig aus der Bahn geraten ist. Eine Welt, die instabiler geworden ist, in der alte Gewissheiten in Frage gestellt werden. Viele Menschen sind verunsichert und misstrauen der Politik. Ein gr\u00f6\u00dfer werdender Teil der Menschen verleiht diesem Unmut dadurch Ausdruck, dass er Parteien folgt, die unsere Grundwerte und unsere Rechtsordnung in Frage stellen. Das wiederum verunsichert andere Teile unserer Gesellschaft. Die Folge ist ein Auseinanderdriften der Menschen in unserem Land. Wir sind noch weit davon entfernt, dass aus Nachbarn Feinde werden, aber wir m\u00fcssen auch den Anf\u00e4ngen wehren.<\/p>\n<p>Extreme Denkweisen und Str\u00f6mungen k\u00f6nnen n\u00e4mlich eben zu den im Gr\u00e4bergesetz genannten \u201eschrecklichen Folgen von Krieg und Gewalt f\u00fchren. Das zeigen uns die unz\u00e4hligen Gr\u00e4ber der Kriegstoten. Auch deshalb stehen wir heute hier. Als Mahnung!<\/p>\n<p>\u201eWas haben sie uns zu sagen?\u201c fragte ich eingangs. Ich glaube, die Frage muss jeder f\u00fcr sich beantworten. F\u00fcr mich lautet die Botschaft: Setzen wir uns f\u00fcr den Frieden ein \u2013 in unserer Gesellschaft, in unserem Land und zwischen den L\u00e4ndern unserer Welt. Entziehen wir dem Unfrieden den N\u00e4hrboden, lassen wir Unfrieden gar nicht erst entstehen. Verhindern wir, dass aus Verwerfungen zwischen Menschen Gr\u00e4ben werden. Nehmen wir uns wieder mehr Zeit, dem anderen zuzuh\u00f6ren und besonnen zu handeln. Haben wir bei alldem auch wieder vermehrt den Mut das zu tun, was wir f\u00fcr richtig halten und nicht das, was der Lauteste von uns erwartet.<\/p>\n<p>Ich will schlie\u00dfen mit einem Zitat aus der Rede von Steve Jobs vor den Studierenden der Stanford Universit\u00e4t:<\/p>\n<p>\u201eEure Zeit ist beschr\u00e4nkt, also verschwendet sie nicht damit, dass ihr das Leben von jemand anderem lebt. \u2026 Lasst nicht den L\u00e4rm fremder Meinungen eure eigenen inneren Stimmen ertr\u00e4nken. Und am allerwichtigsten: Habt den Mut, eurem Herzen und eurer Intuition zu folgen. Irgendwie wissen sie, was ihr wirklich werden wollt. Bleibt hungrig! Bleibt tollk\u00fchn!\u201c<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche uns allen drei friedliche und freundschaftliche Tage in Fischlaken.<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr die Aufmerksamkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211; &nbsp; &nbsp; Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Sch\u00fctzenschwestern und Sch\u00fctzenbr\u00fcder, Ich f\u00fchle mich geehrt, hier und heute die Gedenkrede halten zu d\u00fcrfen. Doch warum stehen wir \u00fcberhaupt hier? Warum gehen wir nicht einfach feiern? 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